Esther LevinePresse

The Urban Photo Project - Berlin

Im Sog des Wandels: Berlin-Fotografien

Esther Levine stammt aus Frankfurt, lebt in New York und fotografiert in Berlin. Daraus muß man nicht auf Rastlosigkeit schließen, aber ein gewisses Tempo ist in ihren Aufnahmen nicht zu übersehen. Nicht im Vorübergehen, sondern im Vorüberhuschen scheinen die Bilder ihres verführerisch winzigen Fotobands "Berlin" entstanden zu sein: Hier eine verrottete Fassade, dort jugendliche Spaziergänger, mal mit, mal ohne Hund, dann Senftuben auf dem Tresen einer Wurstbude oder eine Bananenschale auf einem Fensterbrett. Daß es sich dabei um großstädtische Symbolik handelt, wie es im Nachwort heißt, möchte man nicht unterschreiben. Aber der Begriff "Jetztweltmomente" ebendort ist wunderbar gefunden und trifft den Kern der Bilder. Im Buch fügen sie sich im gehetzten Arrangement zu einem melancholischen Bildroman, der vom Sog des Wandels erzählt und vom Verlust jeglicher Utopie.

F. L., Frankfurter Allgemeine Zeitung, Reiseblatt, 4. Mai 2006

Das Fremde als Motor

Anklopfen am Baucontainer: Für ihr Buch "Berlin - the Urban Photo Project" reiste Esther Levine immer wieder nach Berlin, um in unscheinbaren Momenten ein Höchstmaß an Ehrlichkeit zu suchen.

Die Anwesenden in der prächtigen Dachetage des C/O Berlin fühlten sich angesprochen. Keine Frage, Esther Levine hatte auch sie gemeint. Kurz vor der Biennale-Eröffnung, war die 36-jährige Fotografin und Deutschamerikanerin gekommen, um ihr schmuckes Buch "Berlin - the Urban Photo Project" vorzustellen. Fein, dachten sich wohl viele, unsere Kreativstadt, ein weiteres Mal in Szene gesetzt. Und dann sagt Levine am Ende eines Gesprächs mit den Kuratoren Ellen Blumenstein und Harm Lux, die deutsche Hauptstadt sei für sie gar keine Kulturmetropole von Welt. Der Elan der Neunziger? Längst verflogen!

Levine saß vor der Dachterrasse, hinter der die Stadtsilhouette glitzerte. Berlin lag ihr zu Füßen. Doch wer zuvor in ihrem kleinformatigen Bildband mit seinen 238 Fotos geblättert hatte, wusste längst: Das ist nicht der Blick der Esther Levine. Sie fängt unten an.

"Deshalb behaupte ich doch nicht, Berlin sei trist", sagt Levine. "Das ist eben meine Sicht, nur eines von vielen Gefühlen der Stadt." Nun ist es nicht so, dass Levine ein abschreckendes Berlin zeigt. Trotz der grauen Häuserfassaden, der verschmierten Treppenhäuser oder Toiletten, des alltäglichen Abfalls oder den vom anstrengenden Stadtleben gezeichneten Figuren und überhaupt den Details, die sie mal in Schwarz-Weiß, mal in snapshothafter Farbhast festgehalten hat.

Levine zeigt einfach jenen Teil der Stadt, den man als Berliner gar nicht mehr sieht - weil man ihn umso mehr kennt. Vielleicht musste eine wie sie kommen, eine überzeugte New-Yorkerin, um mit unschuldiger Neugier zu zeigen, warum man Berlin auch lieben kann. Für das Unscheinbare, das Echte. Immer wieder von außen kommend, hat sie während ihrer Aufenthalte zwischen 1999 und 2004 Intimes entdeckt und Außenseiter gesucht.

Vor sechs Jahren klopfte sie an die Baucontainer nahe dem Potsdamer Platz, in denen portugiesische Bauarbeiter wohnten. Sie wurde hineingelassen. "Die Kamera war mein Schutz, aber auch meine Rechtfertigung", sagt Levine. Alle Bilder haben sich einfach nur ergeben, betont sie freundlich bestimmt, und so zierlich, wie sie da sitzt, ist es verständlich, dass Leute ihre Präsenz trotz Kamera kaum als störend empfinden.

Ihr Vorgehen hat sie am renommierten International Center of Photography (ICP) gelernt: Eine Stadt erschließt sich erst durch ihre Einwohner. Also traf sie am Rande von Kreuzberg weitere Menschen in Behilfsbehausungen, stand ganz überrascht auf einer improvisierten Pferdekoppel und begleitete später über Wochen hinweg eine Gruppe Jugendlicher. Manchmal hing sie stundenlang mit ihnen rum, um dann einen ganz unscheinbaren Moment mit einem Höchstmaß an Ehrlichkeit festzuhalten. "Ich glaube", sagt Levine, "viele waren froh, dass sich jemand für sie interessiert." Rund 15.000 Fotos hatte Levine schließlich beisammen. "Ich lief jeden Morgen von vorne los."

So ähnlich hatte es auch 1993 angefangen, als sie gerade aus Trier nach New York gekommen war. Innenarchitektur wollte sie studieren - wäre da nicht diese Kamera gewesen. Levine erkundete damit die neue Umgebung. Drei Jahre danach und einige Fotokurse später bewarb sie sich spontan am ICP. Dort bekam sie die Hatz und den Reiz unterschiedlichster Aufträge nahe gebracht.

"Ich fotografiere in New York ganz anders als in Berlin", sagt Levine und beteuert dann noch, dass es in Magazinen ohnehin nicht mehr genügend Platz gäbe, damit sie journalistisch arbeiten könne. Wobei, für Max hat sie in Berlin eine Strecke machen dürfen - da war sie unter anderem eine Nacht mit Ariane Sommer unterwegs. Der Kontrast zwischen ihrem eigenen Buch "Berlin" und diesen Nightlife-Szenarien könnte nicht größer sein. Und doch ist es eine Bildreportage, die Levine auch hier zusammengefügt hat. Aus der Situation gegriffen, unmittelbar, einzelne Geschichten und für sich stehende Eindrücke.

Levine wird weitere Städte sezieren, wird versuchen, die immensen Kosten durch Ausrüster-Unterstützungen halbwegs zu kompensieren. In Warschau war sie, auch im chinesischen Guangzuhou, wo sie wie erschlagen war von der Fremdheit, die ja doch Motor ihrer Arbeit ist. "Ich will kein Schema haben. Es muss immer authentisch sein." So authentisch ist Levines Werk geraten, dass man selbst den Fernsehturm auf dem Cover verzeiht. Er sieht dort anders aus, als an jenem Abend von der Mitte-Loft aus gesehen.

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Patrick Bauer, taz Berlin, lokal, Nr. 7937, 1. April 2006, Seite 29, 151. Kommentar

In den Eingeweiden der Stadt

Die New Yorker Fotografin Esther Levine zeigt die liebenswürdige Tristesse von Berlin

"Berlin ist wie ein WC", hat jemand auf die Wand gekritzelt. Esther Levine findet das nicht. Aber besonders freundliche Worte hat die junge New Yorker Fotografin für die Stadt auch nicht übrig, die sie seit 1999 immer wieder besucht hat und in der sie mit ihrer Kamera auf die Hassbotschaft des Unbekannten stieß. "Interessant" ist noch der positivste Begriff, der ihr einfällt. Trotzdem hat Levine beinahe tausend Fotos gemacht, von denen nun 238 in ein Buch eingeflossen sind. Es heißt "Berlin - the urban photo project". Und es zeigt die Hauptstadt als triste, verkommene Grausteinkulisse, in der die Menschen einen bemerkenswerten Mangel an Theatralik zeigen. Einmal spähte die Fotografin auf ihren Streifzügen durch ein gekipptes Turnhallenfenster und sah einer Tanzschule zu. Die abgewinkelten Arme, der beherzte Ausfallschritt sind die gewagtesten Gesten, denen Levine in Berlin begegnete. Ansonsten viel Müll, Zerschlagenes, Erbrochenes, Verbotsschilder, Brachflächen und Bratfett, Neubauten, die alt aussehen. Eben all das, was man als Berliner jeden Tag sieht, aber zu ignorieren sich angewöhnt hat.

Begonnen hat Levine vor sechs Jahren mit den Baucontainern am Potsdamer Platz, in denen portugiesische Fremdarbeiter hausten. Als sie wissen wollte, ob es noch mehrere solcher improvisierten Siedlungen gebe, schickte man sie nach Kreuzberg. Sie ging über eine Wiese, auf der dieselben Container standen, und fühlte sich wie an den Stadtrand versetzt. Auf einer Koppel weideten Pferde. Die gehörten einem Schausteller. Die Jugendlichen der Umgebung durften die Tiere ausreiten, wenn sie die Rösser pflegten. Einen Monat lang ging Esther Levine jeden Morgen dorthin. Manchmal geschah stundenlang nichts. Sie saß nur in einem Wohnwagen und fror.

Was Fotografieren bedeutet, begriff die Deutsch-Amerikanerin, die in Frankfurt am Main und in Trier aufwuchs, erst spät. Als Studentin der Innenarchitektur ging sie 1993 nach New York. "Ich kannte niemanden", sagt sie, "also was macht man?" - Fotos. Die Bilder waren ein Versuch, die visuelle Macht der Stadt zu brechen. Schließlich sattelte Levine ganz auf Fotografie um und belegte eine Klasse am International Center of Photography, das Cornell Capa Mitte der siebziger Jahre gegründet hatte. In den zehn Monaten der Ausbildung wurde sie vor allem darauf gedrillt, Langzeitreportagen aufzubauen.

Um in die Eingeweide einer Stadt vorzudringen - so lernte sie von William Klein -, genügt es nicht, durch deren Straßen zu wandern. Sie musste Menschen kennen lernen, Teil ihres Lebens werden. "Ich bin neugierig", sagt die 36-Jährige über ihre Motivation, sich einer Gruppe Kreuzberger Jugendlicher anzuschließen. "Die Kamera ist ein Werkzeug. Und als Frau sieht man mich nicht als Bedrohung an." Sie sagt es auf ruhige, amüsiert-einnehmende Art, noch immer verwundert, wie leichtfertig ihr die Menschen, die sie auf der Straße anspricht, Vertrauen schenken.

So setzt ihr "Berlin"-Buch im Stil einer Fotoreportage ein: Jungen und Mädchen in einem Wohnwagen, Bierflaschen stehen auf dem Tisch, die Pferde müssen gefüttert werden. Die Dinge passieren wirklich in diesen Bildern des Umbruchs, und Levines verwackelte, verwischte, aus dem Fluss gegriffene Momentaufnahmen erinnern daran, wie viel Tempo sich hinter der allgemeinen Berliner Gemächlichkeit verbirgt. Wobei die episodische Verschränkung der Bildersequenzen den Ansichten einen filmischen Zug geben.

Einmal, sagt Levine, habe sie ein paar Jugendliche in einem Park angesprochen, ob sie sie fotografieren dürfe. Da fing es plötzlich zu regnen an und alle rannten in den Nordbahnhof. Levine rannte mit. Von dem Augenblick an gehörte sie dazu. Es seien die Immigranten, die Fremden und Neulinge, schrieb das "Leica"-Magazin jüngst über Levines Städte-Projekt, die den wahren Charakter einer Stadt erfassen. Fremd ist sie überall. Ihre nächsten Bücher werden von New York, Warschau und Guangzuhou erzählen.

Kai Müller, Der Tagesspiegel, 24. März 2006

Berlin aus der Sicht einer jungen Deutschen mit Wohnsitz in New York. Esther Levine erkundet eine Stadt im Umbruch. Was sie uns präsentiert, ist keine Reportage oder wohlkalkulierte Dokumentation, sondern die sehr persönliche Annäherung an eine Metropole in Bewegung.

Der Wahlpariser William Klein fotografiert New York. Der Ungar Brassaï fotografiert das nächtliche Paris. Der Franzose Henri Cartier-Bresson nähert sich mit seiner Leica dem kommunistischen Moskau. Immer wieder waren es Ausländer, Zugereiste, Immigranten, reisende Fotojournalisten, die einer Stadt, einer Metropole ihren spezifischen Charakter, ihr Flair, ihre Aura, auch ihre - das urbane Profil ja erst herausmodellierenden - Schattenseiten zu entlocken wußten. Was sie verbindet? Die Neugier, der Hunger nach Bildern, der unverstellte Blick auf das Andere, Neue. Und neu ist in diesen Fällen eigentlich alles. Selbst das Gewöhnliche, Alltägliche, Banale, Übersehene, das bei Klein wie Cartier-Bresson wie Brassaï immer wieder aufscheint und im Verein mit einer ebenfalls Neuland tangierenden Bildsprache den besonderen Reiz der Buch gewordenen Zyklen ausmacht. Frecherweise könnte man behaupten, die jeweiligen Städte waren nur Vorwand, um ein ästhetisches Programm durchzusetzen bzw. zu erproben. Bei Cartier das Konzept eines behutsam agierenden >Fotojournalismus<. Das Gegenteil bei Klein, der die Interaktion sucht, sich sozusagen fotografierend in die Menge wirft. Und schließlich Brassaï, dessen forschender Blick auf das nächtliche Paris unser Bild, unsere Vorstellungen von der Stadt bis heute prägt. Zugegeben: Immer wieder gab und gibt es ortsansässige Fotografen, die vice versa ihre Vertrautheit mit der Stadt nutzen, um zu bemerkenswerten Bildern oder besser Bildserien zu gelangen. Denken wir nur - womöglich berühmtestes Beispiel - an Atget, dessen um 1890 begonnene Paris-Dokumentation wohl zu den staunenswertesten Projekten im Selbstauftrag gehört. Aber war es nicht auch hier so, daß der Fotograf - gedanklich - einen Schritt zurücktrat, sich frei machte von den mentalen Bindungen des Alltagsgeschäfts, um zu einem neuen, frischen, auch ideologisch unverstellten Blick auf seine Stadt zu gelangen? Bekanntlich hatten die Zeitgenossen für Atgets autistisches Tun nur Kopfschütteln übrig. Die Nachwelt dankt ihm seine Leistung und feiert ihn als Künstler.

Esther Levine in einem Atemzug mit Klein, Brassaï, Cartier-Bresson zu nennen, ist womöglich etwas kühn. Und doch gibt es genügend Parallelen, die den Vergleich rechtfertigen. Esther Levine ist jung. Von außen kommend nähert sie sich der Stadt. Ein fest gefügtes Konzept hat sie nicht. Noch nicht. Was auch bedeutet, daß sie keinen Vorurteilen folgt - auch und gerade im Sinne einer kanalisierten Wahrnehmung. Esther Levine sieht die Stadt mit frischen, wachen Augen. Man wird es >naiv< nennen dürfen, wenn damit gemeint ist, daß jemand frei, unmittelbar und unbefangen reagiert auf das visuelle Angebot einer Stadt, die sicher zu den erstaunlichsten urbanen Gebilden in Europa gerechnet werden muß. Was Berlin unterscheidet von der >Konkurrenz<: Berlin ist eine unfertige Stadt. Eine Stadt in Bewegung. Eine Stadt der permanenten Veränderung. Wo London Rom, Paris, Madrid im Kern ihre bauliche Identität gefunden haben, ist Berlin immer noch eine Stadt im Werden. Kräne schienen über Jahre das eigentliche Wahrzeichen Berlins. Weithin sichtbare Symbole zügigen Wandels. Aber Veränderung bedeutet auch: Daß Dinge verschwinden. Sie - so unscheinbar, unwichtig, ephemär, banal sie sein mögen - mit der Kamera zu bannen, ist ein uraltes dokumentarisches Anliegen. Da wandelt Levine, wenn man so will, auf den Spuren von Atget. Mit dem Unterschied, daß sie sich stärker einbringt bzw. mit dem Wunsch, mit der Kamera etwas festzuhalten, ein unübersehbar künstlerisches Anliegen verbindet.

Nach Vorbildern gefragt, gibt sich Esther Levine bedeckt. Nicht die großen >Kamerameister< waren es, die die 1970 in Frankfurt am Main geborene, in Trier aufgewachsene Fotografin für das Medium begeistert haben. Bei Levine war es ein - sagen wir - langsames Hineinwachsen in die Fotografie. Was den Vorteil hat, daß man nicht sofort in den - mitunter verhängnisvollen - Bann einer marktgängigen ästhetischen Strategie gerät. 1993 wechselt Levine nach New York, eine Stadt, die ihr mittlerweile zur Heimat geworden ist. Zunächst ist es Urlaub. Also freie Zeit. Freie Zeit auch, um dies und jenes mit der Kamera aufzuzeichnen. Im Grunde sei sie ziemlich naiv eingestiegen, bestätigt Levine, die zunächst ein Praktikum als Bühnenbildnerin, dann ein Studium am New York City College absolviert. Parallel wird fotografiert, die Dunkelkammer des College genutzt. Schließlich 1996: ein zehnmonatiger Kurs am ICP, der die professionellen Grundlagen legt. Wer das amerikanische Unterrichtssystem kennt, weiß: Da wird gefordert. Die Selbstkritik gefördert. Das Editing gelehrt. Und: Konzeptionelles Denken beigebracht. Nicht (nur) das Einzelbild zählt, sondern das Projekt, das Konzept, die Idee - und der lange Atem, ein Thema durchzuhalten. Esther Levines Arbeit merkt man die Schule an. Ihr Berlin-Zyklus sollte nicht - im Geist Cartier-Bressons - am mehr oder minder durchkomponierten Einzelbild gemessen werden. Levine erzählt in Bildern, in Serien, Sequenzen. Ihre visuelle Syntax geht über den Bildrahmen hinaus. Fotografierend sammelt sie, um das Gefundene dann in einem zweiten Auswahlgang zu ordnen und zu strukturieren.

Erstmals 1998 kommt Esther Levine nach Berlin. Gelangt zum Potsdamer Platz. Sieht, nein: nicht die himmelstürmenden Architekturen internationaler Planer, sondern schlichte Wohncontainer. Eine Stadt in der Stadt. Levine sucht und findet Kontakt zu den Bauarbeitern, holt sich die Erlaubnis zu fotografieren. Fotografiert. Dokumentiert die Container, wissend: Auch dies sind nur >Skulpturen auf Zeit<. Immer wieder in den folgenden Monaten und Jahren kehrt sie zurück, folgt dabei freilich keinem Plan im Sinne eines abzuarbeitenden Pflichtenhefts. Levine gibt sich spontan, wach, neugierig im Wortsinn: also gierig, Neues zu entdecken und zwar da, wo unser Blick eher ausnahmsweise festmacht. Levines Annäherung an Berlin ist sensibel, leise und behutsam. Bewusst meidet sie das große, das imperiale Berlin ebenso wie die Anekdote. >Entscheidenden Augenblicken< weicht sie aus zugunsten einer feinfühligen Erkundung des >Trivialen<. Bewusst zeichnet sie das Bild einer Stadt, die lebt. Nichts für eine Tourismusindustrie, die auf Stein gewordene Historie baut. Aber etwas für Berliner. Die, so Esther Levin, hätten ihre Stadt wiedererkannt. »Und das war für mich das beste Argument.« mk

Alle Aufnahmen mit der Leica M6. Arbeiten von Esther Levine zeigte die Berliner Galerie J. J. Heckenhauer unter dem Titel >The Urban Photo Project - New York< vom 15. Juli bis 24. August 2005.

Hans-Michael Koetzle, Leica World, 2/2005

Eshter Levine shows Berlin's metamorphosi

An exhibition of images from former PDN 30 alum Esther Levine is currently on view at new York City's Go Fish Gallery. The show, which is sponsored by Leica Camera, features Levine's mutli-year project on the metamorphosis of Berlin, Germany. A crowded opening, held on Thursday, March 27, was attended by Roger Horn of Leica, Megan Williams, an Art Director at Chiat/Day, Stephanie Sigg, an Art Director at Wieden & Kennedy, and Catherine Johnson, a former art buyer at Wieden who now works at Arnold Mc Grath Wordwide.

The exhibit showcases over 70 photographs from the project, many of them suspended from the ceiling using steel wire and fish weights. The creative layout and placement of the images perfectly compliment Levine's impromptu, documentary style coverage of the capital of her native country.

"This work is an effort to document Berlin and create a portrait of the city", says Levine, who appeared in the 2001 edition of PDN's 30. "Since I began working on this project four years ago, the city has rapidly evolved. From construction workers in living containers, teenagers in the center of the city, found objects on the streets, cityspaces, constructions sites and moments, I am attempting to show the different layers of the city and the changes which are taking place. It is Berlin the way I saw it."

Anthony LaSala, PDM Newswire, 2. April 2003

Esther Levine: Emerging into a less tidy world

On her fist visit to Berlin Esther Levine became fascinated by what she saw: a city in flux. Successive visits - and interviews with guest construction workers living in containers, the operators of a pony show, teenagers from the eastern part of the city hanging out and a multitude of others - have confirmed this first impression.

"There seems to be no respect for history and what exists today", the young New Yorker says. "There is new construction all around, but it is not an organic outgrowth of what is already in place". Cranes hovering around the Reichstag, a schnitzel cooking in a frying pan on a hotplate, wet clothes on a string on a container wall, police vans ready to throw tear gas in the event of a riot - all testify to the impermanence and unsettled nature of the city, and to the short-term outlook of those now resident there. Berlin is a disjointed, unfinished story, one that Levine has already chronicled for the German lifestyle magazine Max and that she continues to follow with her camera. She is intent on documenting some of Berlin's current features before they are lost.

She is also fascinated by the world of modern Indian films. Action-packed, with a strong leaning toward melodrama, these films are filled such scenes as raging horsemen, dramatic fistfights, careening trucks and expiring heroes and heroines. Most characteristically, however, they avoid overt sexuality, and they feature music throughout. The dancers are fully clothed. A woman conveys romance by a sidelong glance of her kohl-rimmed eyes. There is no kissing, certainly no copulation, between couples. Periodically, a dancer breakes into song, a man takes up the flute or one hears singers in the background, rather like a Greek chorus moving the drama along.

"Think about it", Levine says.

These are films that Indians watch together as families. So, of course, they can't show any intimacy." She has sat through a numer of these three-hour movies without understanding a word of Hindi because she remains intrigued by their style. She has focused on Madras and Bombay because these cities reflect the new India. Here, as with Germany, she is absorbed with the changes the modern world is bringing about. She completed her Indian film industry series early this year.

Both of those projects have produced images very different from those the German-born photographer has taken of her hometown, Trier, near Germany's border with Luxembourg. That town, which she portrays in yet another series of pictures is anything but transitional. With its gray sky and static atmosphere, clean streets, symmetrically styled buildings, Christmas decorations aligned in a row, pedestrian crossing directions and many "Don't Do" signs, Trier is typical of what Levine calls "the old Germany". It was perhaps to explore a different side of life that she ventured out to New York City in 1993.

In Germany she had studied interior architecture. Now, with an internship at City Opera, she thought to do set design. Before long, however, Levine found herself shooting photographs constantly, to the encouragement of friends. She decided to study photography at City College, taking every photography class the school offerend. By 1996, she had entered the Photojournalism and Documentary Certificate program at the International Center of Photography, where she met her Venezuelan husband, Victor Sira, who is also a photographer. By then, the ICP, founded by Cornell Capa, had become a permanent home for documentary photographs and established photography as a serious art form for other New York City Museums.

"Taking photographs gives you access", Levine observes. This has permitted her to enter such different worlds as the new Berlin, the modern Indian film industry, the passing scene in Sri Lanka and different aspects of New York City life. Thus she has engaged, and continues to engage, in a kind of street photography similar to that of William Klein. It seems, in fact, that the shifting images of a place are her trademark so far.

Surprising perhaps for one her age but not surprising given her roots in Germany, the young New York photographer uses a Leica. Whe she fist started taking pictures, she says, she did not think the camera mattered; the images were everything. But Levine's father, a serious amateur photographer, uses a Leica, so the camera was familiar to her. At ICP, she says, many of the students had Leicas, and such well-known Leica photographers as Joan Lifton and Mary Ellen Mark pariticpated in the program. When she met her future husband, he was already a Leica user. He encouraged Levine on her birthday to buy her fist version of the German camera, an M6, and lens with a small inheritance she had acquired. Her parents financed her next two lenses, a Leica 28mm and 50mm. Now, Levine acknowledges that the camera does contribute much to the end result. She says that her M6, as a rangefinder, enables her to hold the camera steady while using slow shutter speeds, as with the photograph of a Berlin event space on page 13.

Indeed, her talent and camera have both played a part in Levine's substantial accomplishments to date. A freelancer, she has completed assignments not only for Max, but she has covered a Mississippi sorority rush for the German monthly Spiegel Reporter; she has contributed to a story on a death-row inmate for Marie Claire/Germany; she has worked on a documentary on illegal Sri Lankan workers in Naples, Italy; and she has taken photographs to help advertise the need for teachers in New York City. Her post-Leica accomplishments alone include being named one of 30 under-age-30 photographers by Photo District News in New York in 2001, having a recent exhibition in Vevey, Switzerland, and being nominated for the prestigious DG Bank Kulturfoerderpreis, a German prize which supports creative talent.

Levine, in short, is up and going. It should be far.

Leica View, Fall 2001

Aux Cimaises, Dolores Marat et Eshter Levine

Regards sur la ville. Deux chasseuses d'images, soeurs en sensibilité, exposent à Vevey et à Genève

Paris-Berlin. Mais ce pourtant aussi bien être Londres-Amsterdam. Ou Bruxelles-New York. Il se trouve simplement que c'est à Paris que la Françoises Dolores Marat a capturé ses images et à Berlin que l'Allemande Esther Levine a saisi les siennes. Toutes deux d'ailleurs vivent actuellement à New York. Mais cohabitent en cimaises: version pittoresque dans la maison improbable du Toit du Monde à Vevey, et version plus chic et neutre à l'Espace Forum de la FNAC de Rives à Genève.

La cinquagénaire et la trentenaire, chacune a son regard et sa manière: plus poétiques, embrumés de mélancolie (soulignée par le grain des tirages "Fresson") et traversés d'inquiétude de polar latent chez la première, plus directs et brutaux chez la seconde; portés au rythme lent d'images isolées qui se suffissent à elles-mêmes chez Dolores Marat, juxtaposés en puzzles insolites d'images, comme des séquences montées en zapping chez Esther Levine.

Mais les deux photographes sont soeur en sensibilité. Sensibilité à l'envers du décor des villes (leur Paris et leur Berlin ont des airs de grande ville de n'importe où), sensibilité à ces rues de la solitude où les sans-nom et les décalés passent sans se regarder. Même le petit garçon en auto tamponneuse est tout seul. Même la robe jetée sur le lit a l'air abandonnée.

Avec un flair aigu et subtil pour débusquer le mystérieux et le singulier, la Parisienne chasse l'image dans les couloirs du métro, les chambres, d'hôtels miteux ou la Foire du Trône, ces lieux intermédiares et mal définis de l'attente, de l'errance et de la violence sourde. Dans son Berlin arpenté côté trash, destroy et terrains vagues, sa cadette a le chic pour se glisser dans les intertices et les détails bizarres d'une ville en continuelle métarmorphose, et pour faire s'entrechoquer les images comme s'y entrechoquent les couches sociales et les cultures. A l'image de cette pizza encadrée, dans le hublot du micro-ondes, qui vient s'accoler à une vignette de Christ sulpicien punaisé sur un mur.

Francoise Jaunin, Culture, 30. Oktober 2001

The Urban Photo Project - New York

New York City is a space drowning in anonymous moments and legendary instants. Millions of solitary satellites criss-crossing orbits in flashes and gusts. Go ahead. Try to pause them. Grasp them. File them. Offer to make sense of them. Attempt to seize control with a piece of metal and glass. Multitudes have tried. Few have succeeded. Esther Levine has flourished. Levine's New York is a series of colors, ironies and shadows. She paints in minutia, offering inanimates and body parts their 15 seconds. This island - a place that has been bruised and coated by concrete, by buttons, by rules, by sex - perks up to her gaze, exposing its subconscious, flaunting its warts, revealing it's bloodlines. A native of Germany, Levine originally focused her camera on the alternating city of Berlin, bringing her the attention of magazines and galleries across the globe. This new series is an extension of that Berlin work, centering on the city she now calls home.

Anthony LaSala, PDN Foto Magazine, New York 2005